horuts dialogus e.g.V

 

Ein zentraler Text

hortus dialogus e.g.V.

 

Ein Leitgedanke

Warum wir uns für Sterbende und Trauernde engagieren.

 

„Nur eins noch, Brüder, habe ich euch jetzt zu sagen:
Alle Erscheinungen des Daseins sind vergänglich; müht euch, ohne nachzulassen!“

So lauteten – der Legende nach – die letzten Worte des historischen Buddha vor zweieinhalb- tausend Jahren, dann beschloß er nach rund achtzig Jahren sein Leben.

Diese beiden Sätze bringen zwei grundlegende Wahrnehmungen
unser aller Welterfahrung zum Ausdruck:

- Alles, was entsteht, muß in Folge vergehen, und
- diese Einsicht in sich lösendes Handeln umzusetzen,
ist mit Mühen, mit Leiden verbunden,
denn Leben trägt ein doppeldeutiges Gesicht, nämlich das
- des zwanghaften Festhaltens am Dasein einerseits und
- der unausweichlichen Endlichkeit andererseits.

Diesen existentiellen Konflikt müssen wir alltäglich bestehen:
- Die Fähigkeit, uns beständig selbst zu erhalten und gleichzeitig
- die eigene Vergänglichkeit zu akzeptieren.

Unser Leben inmitten allgegenwärtigen Wandels empfinden wir als leidhaft.
Doch weder flüchtiges Glück noch drückendes Leiden müssen uns in Fesseln legen,
wenn wir unseren Blick wach halten
für die unsere Existenz bedingenden Eigenschaften und Merkmale, ebenso wie
für das Werden und Vergehen der uns umgebenden Mitwelt.

Eine solche Schau lehrt uns, Begrenztheit und Flüchtigkeit zu erkennen.

„Im Erkennen liegt Erkenntnis“
- so auch im Erkennen der Sinnhaftigkeit des Todes.

Der Tod schafft Raum für das Leben.
- Seine genealogische Bedeutung:
Den Nachkommen Lebens-Raum geben.
- Seine evolutive Bewandtnis:
Werdendes und gestaltetes Leben als Testfall für künftiges Leben vorzuhalten.
- Seine spirituelle Möglichkeit:
Einsicht in die Vergänglichkeit aller Erscheinungen.
- Seine existentielle Dimension:
An-Erkennen der eigenen Endlichkeit.

 

 

Ein Beweggrund hospizlicher Begleitung

 

Alle Lebewesen müssen einen existenziellen Grundkonflikt bestehen:
- die eigene Vergänglichkeit organisieren und
- die Fähigkeit durchsetzen, sich selbst zu erhalten,
Dieses Spannungsfeld zwischen Lassen-Müssen und Haften-Wollen allerdings
ist nur uns Menschen bewußt.

Ein Da-Sein inmitten wechselvollen Geschehens empfinden wir
- mystischer Schauung gemäß - als unerlöst und leidhaft.
„Im Erkennen aber liegt Erkenntnis“
- so eine alte östliche Spruchweisheit, aus der folgt:

Aller Daseinslauf, alle Erscheinungen, alle Anschauungen und Vorstellungen entstehen auf der Grundlage des Haftens, des Verhaftetseins, des Festhaltens
an den das Leben bedingenden Abläufen.
Die Notwendigkeit, sich in diesem Fluß der Daseinsfaktoren beständig bewähren zu müssen, wird als leidhaft betrachtet.
Zum Aufsteigen und Reifen einer solchen Einsicht kann ein Blick hilfreich sein,
der sich einerseits nach innen richtet:
- auf die unsere derzeitige Existenz bedingenden Eigenschaften und Merkmale
und andererseits nach außen:
- auf das Werden und Vergehen der uns umgebenden Mitwelt.

In dieser Betrachtungsweise liegt ein Schwerpunkt unserer ehrenamtlichen Tätigkeiten:
- im achtsamen Nachspüren von Gefühlen und Stimmungen, die schmerzhafte Verluste und lähmende Trauer im eigenen Inneren entstehen lassen und
- in wacher Anteilnahme von unmittelbar vor unseren Sinnen ablaufenden Sterbevorgängen und dem gleichzeitigen Aufkommen neuer Lebenserscheinungen.

Verlust als Vorbedingung und Gewißheit eines neuen Anfangs.

 

 

IN EIGENER SACHE

ZUM SELBSTVERSTÄNDNIS UNSERER GEMEINSCHAFT

 

Spekulationen über Anfang und Ende der Welt und Wesen erweisen sich als wenig hilfreich für das Verständnis von Leben. Unsere Einsichten und Erkenntnisse sollten sich gründen aus der Mitte des Lebendigen,

- denn sie sind Wahrnehmungen von Wirklichkeit.

Nicht leben wir in verschiedenen Welten, sondern verschieden leben wir in einer Welt.

Wir sind eine Gemeinschaft weltzugewandter Erdenbürger, die wünschen, sich inmitten der täglichen Verpflichtungen die gedeihlichen Regeln alles Lebendigen zu eigen zu machen.

Wir bleiben ohne spirituellen Führer, weil Eigenverantwortung und Hinwendung zum Nächsten weder an bestimmte Methoden noch Übungen gebunden sind und unsere Kultur sich aus vielen guten Gründen demokratischer Prinzipien verpflichtet weiß.

Wir fördern eine "Kultur der Mitte",

die randständige Positionen wie Gleichgültigkeit und Unerbittlichkeit gleichermaßen aus-schließt und sich umgeben und eingebettet weiß von Merkmalen und Gepflogenheiten eigener Traditionen und kultureller Vorgaben, weshalb eine unbedachte Übernahme uns fremder kultureller Verhaltensweisen oder gar Kulte unangemessen erscheint.

Wir glauben nicht an ewig absolute Wahrheiten, sondern an sich wandelnde Wirklichkeiten, die zugleich Möglichkeiten sind zur Förderung selbstverantwortlicher Lebensentwürfe

wie auch verläßlicher Gemeinschaft

- uns zum Wohle, anderen zum Wohle, allen zum Wohle.

Welt und Bewußtsein, Leib und Seele sind keine Gegensätze,

sondern sich gegenseitig bedingende Einheiten.

Wir bemühen uns um die sorgsame Gestaltung des Lebens rund um Sterben und Tod,

denn allzu leichtfertig wird die schlichte Wahrheit aus unserem Alltag verdrängt,

daß leben auch sterben und sterben auch leben ist.

Wir verstehen uns als überkonfessionelle Institution, die Angehörigen aller Glaubensbekenntnisse anbietet, ihre eigenen Beiträge zu Sterben, Tod und Trauer einzubringen unter dem Primat des Grundsatzes:

"Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar".

Diesen "Weg der Mitte" zu beschreiten in der Absicht und in achtsamem Bemühen,

allen an ihrer Vergänglichkeit leidenden und an ihren Verlusten trauernden Menschen in

Liebe, Mitempfinden, Heiterkeit und Güte

zu begegnen, sei unser beständiges Bemühen.

Dieser Weg sei unsere eigene Mitte.